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zu „Suppenlogik mit Knödelgründen”: Heines ästhetische Wende in Anbetracht seiner Wortwahl |
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Jeder Übersetzer Heinrich Heines stand schon einmal vor der Schwierigkeit, wenn nicht Unmöglichkeit, eine Reihe von nicht in Wörterbüchern aufgelisteten, jedoch vom Autor mit wahrer Überfülle an sprachlicher Kreativität verwendeten Vokabeln in die Zielsprache zu übertragen. Aus Gründen der Metrik und seines sprachlichen Spieltriebs hat Heine immer wieder Nomina zusammengefügt, um zwischen den Semantemen ein vergleichendes Verhältnis herzustellen –eine zulässige Eigenart der Wortbildung im Deutschen. In der Folge von Heines Umzug nach Frankreich mehrten sich in seiner Lyrik und Prosa diese und andere poetische Lizenzen. Durch seinen aristophanesken Umgang mit der Sprache forderte Heine vermittels Neuprägungen seine deutschen Leser dazu heraus, die gesellschaftlichen und politischen Unzulänglichkeiten im eigenen Land mit neuen Augen zu sehen. Der Bruch mit der überkommenen Ästhetik und die satirische Pose erlaubten es ihm, die deutschen Zustände in einem Zerrspiegel darzustellen. Heine gelang es, durch seine sprachliche „Trommelei“ die Landsleute zuhause aus ihrer Lethargie wachzurütteln. So rief er schon allein durch seine epikurische Themenwahl, die dem romantisch-idealistisch vorgeprägten Geschmack des deutschen Bürgertums zuwiderlief, Reaktionen aller Art hervor. Aber zu diesem Zweck konnte er nicht zuletzt auch ein scharf geschliffenes sprachliches Präzisionsinstrument einsetzen: die „Jakobineraxt“ seiner Feder. In meinem Beitrag werde ich eine Klassifizierung ausgewählter Beispiele von Neologismen, Phraseologismen und Wortspielen vornehmen, mit denen Heine maliziös seine Lyrik und Prosa spickte. Ich werde jedes dieser translemischen Probleme auf seine Janusköpfigkeit hin prüfen, d.h. die doppelte Bedeutung, die bei einem Muttersprachler dank seines sprachlichen und kulturellen „Erbguts“ gezwungenermaßen anklingt oder mitschwingt. Aufgrund dieser Taxonomie von Schwierigkeiten werde ich anhand einschlägiger Beispiele mehrere mögliche Übersetzungstrategien vorschlagen:
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Berit Balzer |