Heines metrische Zweideutigkeiten
 
JAVIER ORDUÑA
Universitat de Barcelona

Gegenüber der herkömmlichen Auffassung, in der Metrik gehe es um die Anreihung betonter und unbetonter Silben, wird sie durch die phänomenologische Metriklehre als Widerkehr von Takten bestimmt. Die autosegmentale Phonologie vorwegnehmend, indem der Trochäus als Kern der deutschen Prosodie anerkannt wird, bieten Arndts und Fourquets Bestimmungen des Taktes als selbständiges, abgestecktes Zusammenspiel von Hebung und Senkung bzw. Senkungen einen verlässlichen Anhaltspunkt zur Auswertung widerkehrender Mittel im Gedicht. Heines Meisterschaft in der Behandlung der deutschen Rhythmik ist u.a. darin zu erkennen, wie er offene, zweideutige Stellen hinterlassen hat, welche sowohl zu einer berauschenden als auch zu einer spöttischen Lektüre Anlass geben. Die phänomenologische Metriklehre erlaubt uns, solchen Leerstellen mit passenden Messwerten beizukommen.


Javier Orduña