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In unserem Beitrag gehen wir den auffällig häufigen Hinweise auf das Essen und Trinken in Heines Werk nach (Suppenlogik mit Knödelgründen). Welche konzeptuelle Technik verbirgt sich hinter diesem Rekurs, der wesentlich zum ironischen Ton von Heines Texten beiträgt? Es wird herauszuarbeiten sein, in wiefern es sich bei der Nennung von Speisen um den Zugriff auf alltägliche, konventionelle kognitive Metaphern handelt, bei denen die Domäne des Essens (und Trinkens) den Ursprungsbereich bildet, wie z. B. LIEBEN IST ESSEN (WOLLEN) (daraus abgeleitet: DIE GELIEBTE PERSON IST EIN APPETITLICHER/SÜßER BISSEN, u.a.). Jedoch scheint damit nicht in allen Fällen eine ausreichende Erklärung möglich. Auch der Begriff der Verfremdung kann als Erklärungsmuster dienen – Verfremdung verstanden als ästhetisches Verfahren, Gewohntes in neuartige und ungewohnte Beziehungen zu bringen (Ich wollte, meine Lieder, / Das wären Erbsen klein). Diese neuen Beziehungen entstehen bei Heine durch (Ad-hoc-)Verknüpfung verschiedener “hoher” Domänen (Politik, Poesie) mit der “niedrigen” sinnlichen Domäne des Geschmacks und im weiteren Sinne des Essens. Durch die Verknüpfung zweier mental spaces ergibt sich so ein integrierter Raum (das blend), in dem potentiell neue Inhalte entstehen, die bei Heine kritisch-komische Qualitäten erlangen.
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