Über falsche Heine-Liebhaber, echte Heine-Verächter und Heine-Haßliebende
 
DR. JAN-CHRISTOPH HAUSCHILD
Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf

Wer im 19. Jahrhundert dazu aufruft, tatkräftig an der allgemeinen Menschenverbrüderung mitzuarbeiten und das Elend vom Erdboden zu vertilgen, ist auch im 21. Jahrhundert gern willkommen. Vorbei die Zeiten, als ein Vorwurf gegen Heine noch lauten konnte, er habe seinen Lesern „Alles, gleichviel was, mundgerecht“ gemacht (Heinrich von Treitschke). Die Amalgamierung von Information und Sprachkunstwerk ist uns alltägliche Erfahrung. Schnellschreibende Frauen und Männer der Tagespresse werden neuerdings nicht müde, uns zu versichern, das hätten sie alles bei Heine gelernt, allerdings auf einem geistigen und sprachlichen Niveau, das unausrechenbar weit von dem Heines entfernt ist. Womit sie ironischerweise ein Ressentiment bestätigen, das Kulturkonservative gegenüber dem „Heinismus“ und leider auch gegenüber Heine beharrlich pflegen. Aber ist das Heines Schuld? Das hieße der nahrhaften Kartoffel die Schuld dafür zu geben, daß man nahezu nährwertlose frittierte Stäbchen oder auch Benzin aus ihr machen kann.

Der Vortrag behandelt sowohl publizistische Heine-Liebhaber, die sich anläßlich des Gedenktages am 17.2.2006 quasi zu heutigen Heines erklärt haben, als auch Heine-Verächter bzw. Kritiker wie Richard Wagner (1850), Heinrich von Treitschke (1889), Ferdinand Avenarius (1900), Adolf Bartels (1906), Karl Kraus (1910), Friedrich Gundolf (1920), Jakob Wassermann (1921), Bertolt Brecht (1940), Theodor W. Adorno (1956), Willy Haas (1956), Ulrich Holbein (2004) und Gerhard Henschel (2006) sowie die Publizistin und Frauenrechtlerin Alice Schwarzer, die Heine seit 1993 in „Haßliebe“ verbunden ist. Erwähnung finden auch die bizarren Beispiele eines Adolf Hitler, Joseph Goebbels und Erich von dem Bach-Zelewski, die Heine anscheinend respektierten bzw. schätzten.


Dr. Jan-Christoph Hauschild