Índex Temàtic Deutsch-spanische Zwischenwelten: neue Horizonte - Forum 10 (2003) PÀGINA PRINCIPAL
 
 
 
 Reseña de:

Dietrich Briesemeister und Harald Wentzlaff-Eggebert (Hrsg.):
Von Spanien nach Deutschland und Weimar - Jena.
Verdichtung der Kulturbeziehungen in der Goethezeit

MARISA SIGUAN BOEHMER
marisasiguan@ub.edu
© Prof. Dr. Marisa Siguan 2003
UNIVERSITAT DE BARCELONA


 

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Dietrich Briesemeister und Harald Wentzlaff-Eggebert (Hrsg.):
Von Spanien nach Deutschland und Weimar - Jena. Verdichtung der Kulturbeziehungen in der Goethezeit.
Heidelberg: Universitätsverlag Winter, 2003. 363 páginas.
ISBN: 3-8253-1517-7
Precio: 48.- €

 

 
Die deutsch-spanischen Kulturbeziehungen sind in der Zeit um 1800 besonders intensiv und fruchtbar. Mit dem Bemühen, die Voraussetzungen für eine deutsche Nationalliteratur zu schaffen, nimmt auch ein kreatives Interesse an weiteren Literaturen zu. Die Abkehr vom klassizistischen Modell der französischen Aufklärung führt zur Entdeckung der spanischen Literatur, zu einer gestalterischen Auseinandersetzung mit dieser und zu der daraus entstehende Spanienmode. Diese Abwendung entsteht in dem Moment, in dem die Einheit der klassischen Poetik zugunsten des Strebens nach Vielfalt aufgegeben wird: Herder trägt mit seinem Universalismusbegriff entscheidend dazu bei. Dass die spanische Barockliteratur in Deutschland nahezu gleichzeitig mit Shakespeare entdeckt wird, ist bezeichnend und ergiebig zu analysieren. Es hat mit der Definition des Kanons der Modernität zu tun, eben damit, dass Spanier wie Deutsche zu einer Zeit, in der die ersten Nationalliteraturgeschichten erscheinen, einen gebrochenen Kanon zu bewältigen hatten: Ein wichtiger Teil ihrer tradierten Literatur ließ sich nicht in klassizistische Normen einfügen. Dass sie nun einer beim anderen Modelle suchen, um die eigene Tradition zu beschreiben und ihre Modernität aufzubauen, ist nahe liegend..
 
     
 
Der von Dietrich Briesemeister und Harald Wentzlaff-Eggebert herausgegebene Band befasst sich mit dem spanisch-deutschen Kulturtransfer um 1800. Es behandelt ein materialreiches Thema einer äußerst faszinierenden Zeit und versammelt Beiträge aus den verschiedenen Bereichen, die den Kulturtransfer ausmachen. Eine Einleitung der Herausgeber ermittelt die verschiedenen Aspekte der Kulturvermittlung und definiert dabei das theoretische und methodologische Konzept des Gesamtvorhabens. Die Rahmenbedingungen der Kulturvermittlung werden bestimmt, die Leyenda negra und die Inquisition, und die Reiseberichte und der damalige Wissensstand an realen Informationen über Spanien werden erläutert. Die Hegemonie Frankreichs wird in ihrer Problematik thematisiert, das Innovationsbedürfnis wird anhand von Goethes Calderón-Begeisterung demonstriert. Der Kulturbegriff, der dem Band zugrunde liegt, vereint Soziales, Ästhetisches und Wissenschaftliches, und erweist sich in den Erörterungen der Einzelanalysen, die komplementäre Perspektiven verbinden, als äußerst ergiebig..
 
     
 
Eine wichtige Rolle spielt die Analyse des deutschen Spanienbildes, das sich vom einem zutiefst negativen der Aufklärung bis hin zum positiven der Romantik entwickelt und für das die Reiseberichte wie die Existenz der Inquisition eine wichtige Rolle spielen. Auch Analysen der Lexikonartikel, der Buscón-Übersetzungen, der Anmutung Calderóns in der Romantik oder auch der musikalischen Präsenz Spaniens in der deutschen Oper zeigen Aspekte der Spanienwahrnehmung um 1800 auf. Bertuchs Übersetzung Iriartes, Wielands Quijote-Rezeption oder die Wirkung der spanischen Literatur auf Goethe geben Anlass zu weiteren Untersuchungen.
 
     
 
Den Hauptteil der Beiträge machen die deutsche Spanienwahrnehmung und -rezeption aus, aber auch Ansätze zur Darstellung des Deutschlandbilds in Spanien sind vertreten.
 
     
 
Der Band erweist sich als sehr informationsreich und macht über die einzelnen Untersuchungen hinaus deutlich, wie eng sich Epochenbegriffe ausnehmen, wenn es an die Erläuterung der Stimmenvielfalt einer Epoche geht. Die versammelten Einzelanalysen transportieren informative und anregende Forschungsergebnisse und bieten darüber hinaus nützliche Ansätze zur Analyse der Mechanismen des Kulturtransfers. Die Autoren sind Germanisten und Hispanisten aus deutschen und spanischen Universitäten: Dietrich Briesemeister, Mª Luisa Esteve Montenegro, Ulrike Hönsch, Helmut Jakobs, Martin Keßler, Hans Joachim Lope, Gisela Noehles, Beatrice Osdrowski, Klaus Pietschmann, Margit Raders, Christoph Rodiek, Mª Jesús Sánchez Blanco, Francisco Sánchez Blanco, Teresa Vinardell Puig, Harald Wentzlaff-Eggebert, Marie-Christin Wilm.
 
     
 
Marisa Siguan.
 
     
 
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PROF. DRA. MARISA SIGUAN BOEHMER
Universitat de Barcelona • Facultat de Filologia
Departament de Filologia Anglesa i Alemanya • Secció de Filologia Alemanya
Gran Via de les Corts Catalanes 585, 3ª planta • 08007 Barcelona
Telèfon: 93 403 56 90 • Fax: 93 317 12 49
marisasiguan@ub.edu
http://www.ub.es/filoal/


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