Abschied / Erlaubnis im Althochdeutschen: A. Die Glossen
 
     
 
Norm. Form HS-Form Referenz In:
orlof n permissum: orlof G IV:207,15 Alphab. geordnete Glossare. B: Nicht Bestimmte
Codex seminari Trevirensis R. III 13
urlob n licentia: urlobe G II:485,28 Prudentius-Glossen - Codex Sangallensis 136
urloub n licentia: urlaup G I:141,18 Abrogans. K - Codex Sangallensis 911. S. 122
urloub n permissu: urloube G II:126,60 Canones conciliorum et decreta pontificum
Codex Vindobonensis 361.
urloub n licentia: urloube G II:389,3 Prudentius-Glossen
Codex musei Britannici Add. 16894
urloub n licito: vrloube G II:459,58 Prudentius-Glossen
Codex Parisinus nouv. acquis. 241
Clm 14395
urloub n fas: urloup G II:628,41 Vergilius-Glossen
Clm 18059
urloub n permissum: urlǒb G III:253,38 Summarium Heinrici XI
Codex Vindobonensis 2400
urloub n permissum: vrlǒb G III:253,38 Summarium Heinrici XI
Clm 2612
urloub n permissum: urlǒb G IV:154,58 Glossae Salomonis
Codex musei Britannici Add. 18379
urloub n quo pĕtĕret missionem: vrlovb G IV:353,13 Vita Martini auctore Sulpicio Severo
Clm 9536
urloub n per licentiam: duruh urloup G IV:529,16 Vita Martini auctore Sulpicio Severo
Clm 6413
urloubî f licentia: urlaupi G I:140,18 Abrogans. Pa
Codex Parisinus 7640
urlub n licentia: xrlxbf
(=urlube)
G II:509,12 Codex monasterii heremitarum 316
urlub n licentia: vrlubo G II:509,12 Codex Turicensis C 164
urlub n quo pĕtĕret missionem: urlup G V:33,4 Vita Martini auctore Sulpicio Severo
Codex Turicensis Rhenov. 36

Aus einem germanischen Adjektiv *lauβaz, *lauβō, *lauβan "angenehm, genehm" leitet sich ein gemeingermanisches Verb *lauβijan- "erlauben, genehmigen" ab und aus diesem Verb wiederum ein *uz-lauβijan-, eine Form, die notwendig war, um die Vieldeutigkeit des Simplex zu klären, das auch loben, preisen und vielleicht auch noch glauben (cf. altwestn. lofa~leyfa) bedeuten konnte

Gewöhnlich geht man davon aus, dass es auch ein germanisches Substantiv *lauβaz m oder *lauβan n "Genehmigung, Erlaubnis" gegeben hat, aus dem sich das altenglische léaf "Erlaubnis" entwickelt haben soll. Dieses altenglische Substantiv könnten wir als Substantivierung des erwähnten Adjektivs betrachten; wir sind aber eher geneigt, darin eine Rückbildung zu altenglisch líefan~álíefan "erlauben" zu sehen.

Vom denominativen Verb *uz-lauβijan- (→ althochdeutsch irlouben) wird im Althochdeutschen ein Deverbativum *urlaub, *urlaubî "Erlaubnis" abgeleitet.

Für die semantische Entwicklung vom germanischen Adjektiv zum germanischen Verb, vgl. auch das deutsche Paar genehm/angenehm~genehmigen.

Als dieses Wort die Bedeutungen Erlaubnis wegzugehen und Abschied entwickelt, braucht man ein neues Substantiv, das eindeutig Erlaubnis bedeutet: so entstehen im Mittelhochdeutschen Nebenformen wie urloubunge, urloubede.

Die Formen Erlaubnis, Erlaubnus, Erlaubung erscheinen erst im Verlauf des Frühneuhochdeutschen

Siehe auch → Kluge, → Pfeiffer und → Duden.
 
     
 
Abschied im Althochdeutschen: B. Die lit. Denkmäler
 
     
 
Norm. Form HS-Form Referenz In:
urloub n urloub Fuldaer Beichte âna urloub gap, âna urloub intphieng, uncîtin ezzenti, uncîtin trinchanti, uncîtin slâfenti, uncîtin uuachanti
[ich bekenne, dass ich] ohne Erlaubnis gegeben habe, ohne Erlaubnis angenommen habe, zur unrechten Zeit gegessen, getrunken, geschlafen habe [und] wach gewesen bin
urloub n urloub Mainzer Beichte âna urloub gab unde nam daz ih ni solta, zuêne ni besuonda sô ih solta
[ich bekenne, dass] ich ohne Erlaubnis gab und nahm, was ich nicht nehmen durfte, und Entzweite nicht versöhnte, wie ich hätte tun sollen
urloub n urloub Pfälzer Beichte âna urloub gab thaz ih ni scolta, âna urloub infiang thaz ih ni scolta
[ich bekenne, dass] ich ohne Erlaubnis gegeben habe, was ich nicht geben durfte, und dass ich ohne Erlaubnis das angenommen habe, was ich nicht annehmen durfte
urloub n hurolob Lorscher Bienensegen hurolob ni habe du
du sollst keine Erlaubnis haben [wegzufliegen]
urlub n urlub Ludwigslied Tho nam her godes urlub, Huob her gundfanon uf
Er empfahl sich seinem Gott, erhob das Kriegsbanner
urlub n urlub Notker Labeo
(Boethius I. Item prologus teutonice)
Táz úrlub káb ímo Zeno, sîn lánt ióh sîne líute ze sînên tríuuôn bevélehendo
Zeno gab ihm (Dioterih) die Erlaubnis (gegen Ôtacher zu ziehen), wobei er (=Zeno) dessen Treue (=der damit erwiesenen Treue des Dioterih) sein Land und sein Volk anempfahl (als Gegenleistung bei einem Sieg des Dioterihs über Ôtacher)
urloubî f urlaubii Benediktinerregel  
Im Althochdeutschen finden wir das Wort urloub von erster Stunde an, da es bereits im Abrogans belegt ist. Die belegte Bedeutung dieses Wortes ist für die gesamte Periode Erlaubnis.

Schützeichel S. 276 (m. Gen., Abschied von) und Splett I,1 S. 565 ("Erlaubnis, Billigung; Urlaub, Abschied, Entlassung; Ermahnung?") setzen für die althochdeuteche Periode auch die Bedeutung Abschied voraus. Wir gehen davon aus, dass diese Bedeutung durch Ludwigslied Z. 27 erschlossen wird.
Daneben:
gilâz m, n gelâz, kelâz Notker  
firlâzzanî f ferlâzeni Notker  
firhėngida f      
gihėngento permittendo: gihengento "mit Erlaubnis" Abrogans - Pa  
 

 

     
 
Abschied / Erlaubnis im Mittelhochdeutschen
 
     
 
Norm. Form HS-Form Referenz In:
erloup m erloub Lexer  
orlof m, n orlof Lexer  
urlâp m, n urlâb Lexer  
urlæp m, n urlæb Lexer  
urlof m, n urlof Lexer  
urlop m, n urlop, urlob Lexer  
urlouf m, n urlauf Lexer  
urloubunge f urloubunge Lexer  
urloubede f urlaubt Lexer  
urloup m/n urloup, urloub Lexer  
ürlop m, n ürlob Lexer