Gerhard Stickel

Deutsch im Kontext der vielsprachigen Europäischen Union

Institut für Deutsche Sprache

 

Die aktuelle Entwicklung der deutschen Sprache ist stärker als bisher in der neueren Geschichte von Faktoren bestimmt, die von außen in die Sprachgemeinschaft hinein wirken bzw. von Deutschsprachigen auch aktiv in den eigenen Sprachgebrauch aufgenommen und umgesetzt werden. Auch ungesteuerte Kontakte zu anderen Sprachen haben für größere Teile der Bevölkerung zugenommen. Hinzu kommen durch herkömmliche Massenmedien und Internet vermittelte sprachliche Einflüsse einer 'globalen' Kommunikation. Sprachliche Neuerungen sind besonders im Bereich der Lexik zu beobachten, was mit Entlehnungen aus dem (amerikanischen) Englisch illustriert werden soll. Die Einstellungen der Deutschen variieren zwischen ängstlicher oder aggressiver Abwehr jeglicher Sprachveränderung und bedenkenloser, eifriger Übernahme von Neologismen, besonders von Anglizismen, in den eigenen Sprach-gebrauch.

Zum derzeitigen Sprachwandel gehört auch ein partieller Domänenverlust des Deutschen wie auch anderer europäischer Standardsprachen, der sich u.a. im Bereich der Wissenschaftskommunikation und in der internationalen Politik und Wirtschaft abzeichnet. Dem versuchen mehrere sprachpolitische Initiativen zur aktiven Beeinflussung der Sprachentwicklung entgegenzuwirken, u.a. durch För-derung der Mehrsprachigkeit in Deutschland und anderen europäischen Staaten. Einige dieser Initiativen sollen kurz vorgestellt werden.

Prof. Dr. Gerhard Stickel