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María Luisa Siguan Böhmer Goethe in Spanien: ein Goethe für Schiffsbrüchige Universitat de Barcelona
Autoren werden kreativ gelesen, und sie werden so gelesen, wie der Leser sie braucht, um in seiner Welt zurechtzukommen, sich mit der Tradition auseinanderzusetzen, auch um einen eigenen literarischen Weg zu finden. Man liest sie, um sich mit der im Moment gültigen literarischen Norm auseinanderzusetzen, um sie zu akzeptieren oder zu durchbrechen, um dafür einen Garanten oder ein Beispiel oder einen als verwandt empfundenen Begleiter zu finden. Der fremde Autor ist somit Weggefährte, Mentor, dem man eigene Ideen in den Mund legen kann, um sich mit ihm zu schützen, oder er ist ein Konfrontationselement, gegen das man polemisieren kann. Das Lesen hat, zumindest seit der Romantik, sehr viel mit Selbstfindung zu tun. Dass man nun sich selber in den Büchern liest, dafür ist die Art, wie Werther mit Literatur umgeht, wie er seinen Homer und seinen Ossian liest, ein gutes Beispiel. Deshalb geht es in der Rezeptionsforschung sehr oft auch um die Aufdeckung von produktiven Missverständnissen. Es geht es mir darum, einigen exemplarischen Fällen von Goethe - Lesarten in Spanien nachzugehen: romantisch und jungspanisch gelesen im 19. Jahhundert, kulturkritisch im 20. |