Die wahren Bekenntnisse – (Klettenberg)
Goethe versus Helene Unger
 
BRIGITTE JIRKU
Universidad de Valencia

Goethe hat sich während seines Lebens nicht gescheut, sich vom Leben anderer zu inspirieren: so verwandelte er die pietistischen Aufzeichnungen der Susanne von Klettenberg in die Bekenntnisse der Schönen Seele, 6. Buch von Wilhelm Meisters Lehrjahre. Goethe hat in die Bekenntnisse einer Schönen Seele zwar einen weiblichen Bildungsprozeß in seinen Roman integriert, sie als nichtsexiertes Wesen einerseits im Gang des Ganzen einschließt, sie aber doch wieder ausschließt und somit die Aufzeichnung mißbraucht. Untersucht werden soll, wie Helene Unger auf die Reduktion des Weiblichen und seinen Ausschluß aus der Gesellschaft von Seitens Goethe reagiert. Sie weigert sich die Form weiblicher Lebensentwürfeweiterzuschreiben. In ihrem Roman Die Bekenntnisse einer Schönen Seele von ihr selbst geschrieben wehrt sie sich gegen den Ausschluß der Frau aus der Gesellschaft und entwirft ihre Modelle einer Schönen Seele. Diese Entwürfe schliessen alternative Lebensmodelle ein: intellektuelle Freundschaften mit Männern weichen einer Idylle zwischen Frauen. Unger redefiniert Frauenfreundschaft als dritten bzw. alternativen Bildungs- und Lebensweg für eine nützliche Integration in der Gesellschaft.


Brigitte Jirku