resum abstract Adreça Índex Temàtic Deutsch-spanische Zwischenwelten - Forum 11 (2004) PÀGINA PRINCIPAL
 
 
 
 DIE TEXTWELT DES WÖRTERBUCHS

MARIA WIRF NARO
maria.wirf@upf.edu

Universitat Pompeu Fabra


 
 
 

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Resumen

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Abstract

Am Beispiel von Duden Deutsches Universalwörterbuch zeigt der Beitrag, wie auch nicht enzyklopädische Wörterbücher gewisse ‘Weltbilder’ entwerfen: durch die Wahl ihrer Einträge, durch die Formulierung von Definitionen und Erklärungen, durch die gesetzten Beispiele, über etymologische Angaben und zusätzliche Informationen. Im Hinblick auf die Behandlung von Spanien und Spanischem beweist das Duden Deutsches Universalwörterbuch ein ausgeprägt historisches Interesse, besonders in den Bereichen Musik, Tanz, Literatur und Numismatik. Es wirft einzelne Schlaglichter auf die spanische Geschichte und vermittelt Impressionen, die künden von der touristischen Nähe der deutschsprachigen Wörterbuchgestalter und -benutzer zum spanischen Sprach- und Kulturraum. Seine Artikel beinhalten bei fremdsprachlichen Elementen auch Informationen, die Hinweise nicht nur zum Verständnis, sondern auch zur aktiven Verwendung enthalten. Es kündet schließlich von Stereotypen, die es kraft seiner Autorität verfestigt, bis sich veränderte Sichtweisen in seiner Sprachkartei niederschlagen.

Schlagwörter:
 
Lexikologie, Duden, Universalwörterbuch, Duden Deutsches Universal-wörterbuch, Interkulturalität, Stereotypen
 

 

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Die Textwelt des Wörterbuchs


MARIA WIRF NARO
Universitat Pompeu Fabra

 

1. ZUM BEISPIEL: DUDEN DEUTSCHES UNIVERSALWÖRTERBUCH

 
Wörterbücher sind wir gewohnt zu konsultieren, d. h. nach Bedarf punktuell und ausschnittweise zu lesen; wir sind auch gewohnt, sie zu zitieren, als Referenz und nicht weiter zu hinterfragende oder zumindest hinterfragbare Autorität; aber wir sind nicht gewohnt, sie zu lesen in ihrer linearen Abfolge wie einen beliebigen in sich strukturierten Text. Doch auch in seiner Gesamtheit kann das Wörterbuch als ein Text betrachtet werden, geschaffen in aller Regel von einem Autorenkollektiv auf der Grundlage eines Korpus. Als Wörterbuch setzt es sich die Aufgabe, Wörter zu erklären - im Gegensatz zur Enzyklopädie, dem “Nachschlagewerk, in dem der gesamte Wissensstoff aller Disziplinen od. nur eines Fachgebiets in alphabetischer od. systematischer Anordnung dargestellt ist”¹ (Duden Deutsches Universalwörterbuch). Doch alle Wörter verweisen auf Welt, auf materielle oder immaterielle Welten. Sie sind mehr oder weniger eng an Fachgebiete gebunden und lassen sich nicht nur innersprachlich durch die Abgrenzung von Wörtern untereinander und gegeneinander definieren, sondern setzen einen gewissen Rückgriff auf Wissen - außersprachliches Wissen - voraus. Wörterbuchdefinitionen konstruieren so nicht nur Konzepte, sondern sie sagen in ihrer Gesamtheit auch etwas aus über die ‘Welten’ des Produzenten, über die ‘Welten’, die er bei seinem Rezipienten voraussetzt oder schaffen möchte.
 
     
 
An einem Wörterbuch - dem Duden Deutsches Universalwörterbuch - möchte ich zeigen, wie sich in ihm Welten spiegeln und konstruieren, und zwar am Beispiel dessen, wie dieser Duden Spanien und Spanisches im weitesten Sinne darstellt.
 
     
 
Universal - “umfassend, die verschiedensten Bereiche einschließend” - will das Duden Deutsches Universalwörterbuch sein: ein “Gebrauchswörterbuch, das den Wortschatz der deutschen Gegenwartssprache erfasst und in allgemein verständlicher Form darstellt” und auch “Fach- und Sondersprachen” berücksichtigt (Vorwort). Weiterhin heißt es im Abschnitt zu Anlage und Artikelaufbau:
 
     
 
Das Universalwörterbuch enthält rund 120000 Stichwörter. Es verzeichnet also nicht nur den zentralen Wortschatz der deutschen Sprache mit seinen 70000 Wörtern, sondern dringt weit in die Randbezirke des Wortschatzes vor und erfasst auch Wörter, die nicht der normalsprachlichen Stilschicht angehören, die nur regional verbreitet sind oder im Begriff stehen zu veralten, sowie fach- und sondersprachliche Wörter, sofern sie für die Allgemeinheit von Bedeutung sind. Gerade diese Wörter sind es meist, die die Verständigung stören oder das Verständnis eines Textes blockieren, sodass bei ihnen das Nachschlagebedürfnis besonders groß ist.
 
     
 
So werden u.a. “wichtige” geographische Namen und auch bildungssprachliche Elemente aufgenommen, die in ihrer Gesamtheit ein Bild Spaniens ergeben, das ebenso viel Aufschluss gibt über die Autoren und deren Sprachkartei wie über den besprochenen Wirklichkeitsbereich.
 
     


2. NAMEN

2.1. Ortsnamen

 
Der Duden verspricht “wichtige geographische Namen”, insbesondere “sämtliche Ländernamen der Erde”. So erscheint Spanien mit einer geographisch-unverfänglichen Erklärung:
 
     
 
Spa|ni|en; -s: Staat im Südwesten Europas.
 
     
 
Doch schon bei anderen geographischen Einheiten wird die Uneinheitlichkeit der Auswahlkriterien deutlich. So werden z..B. erwähnt:
 
     
 
A|ra|gón [...]; -s: span. Form von Aragonien;
 
 
An|da|lu|si|en; -s: Region in Spanien;
 
 
Bas|ken|land, das; -[e]s: span. bzw. frz. Region am Golf von Biskaya;
 
 
Kas|ti|li|en; -s: historisches Reich in Spanien;
 
 
Ka|ta|lo|ni|en; -s: historische Provinz in Nordostspanien.
 
     
 
´Provinz’ wird dabei definiert als “größeres Gebiet, das eine staatliche od. kirchliche Verwaltungseinheit bildet”, und die Organisation des spanischen Staates in Provinzen ist eine so fraglose Realität, dass “die spanischen -en” sogar als Illustration des Wortes “Provinz” angeführt wird.
 
     
 
Wie ist alsdann “historisch” zu verstehen? Das Wörterbuch selbst gibt für “historisch” drei mögliche Bedeutungen:
 
     
 
his|to|risch : a) die Geschichte, vergangenes Geschehen betreffend, geschichtlich (a): die -e Sprachwissenschaft; b) geschichtlich (b)[ aufgrund von Überlieferung od. Quellen als wahr od. existent erwiesen; historisch]; c) bedeutungsvoll, wichtig für die Geschichte: das war ein -er Augenblick.
 
     
 
Eine Beschreibung als Provinz findet sich ansonsten nur noch für Granada, Cádiz, Málaga. Andere Regionen wie Asturien oder Galicien such man vergebens - obwohl in einer etymologischen Angabe auch das Galicische erwähnt ist.
 
     
 
Auch die restlichen genannten geographischen Namen sind eklektisch zusammengewürfelt: aus naheliegenden Gründen erscheinen Mallorca und die Balearen, außerdem Sierra Nevada und Ebro, als Städte Barcelona - etwas genauer situiert als “Stadt in Nordspanien” - , Cadiz, Córdoba, Granada, Madrid, Málaga, Saragossa, Sevilla und Valencia. Damit sind wichtige Städte genannt, aber andere wichtige oder (zumindest von ihrer Einwohnerzahl her) wichtigere Städte wie Bilbao, Valladolid, Murcia, Vigo, Oviedo etc. fehlen.
 
     
 
Ein einheitliches Kriterium, von den Zufällen der Sprachkartei des Duden abgesehen, existiert vielleicht nicht. Indirekt sind diese Zufälle jedoch durch außersprachliche Gegebenheiten mitgesteuert, wenn z. B. der Tourismus das Gespräch auf bestimmte Orte lenkt und damit diese Ortsnamen in die Texte führt.
 
     
 
Doch auch sprachliche Verhältnisse spielen eine Rolle: für Ortsnamen, die durch Ableitungen, Konversionen etc. produktiv werden und Wortfamilien bilden, eventuell auch Gattungsnamen stellen, erhöht sich aufgrund dieser Produktivität die Wahrscheinlichkeit, in einem Korpus vertreten zu sein, bzw., wenn sie selbst als Erklärung gedient haben, ihrerseits erklärt zu werden. So ist etwa der Eintrag “Katalonien” gestützt durch eine ganze Wortfamilie aus “Katalonier”, “Katalane”, “Katalanin”, “katalonisch”, “katalanisch”, “das Katalanisch”, “das Katalanische”. Ein weiteres Beispiel ist die Wortfamilie um “Malaga”:
 
     
 
Ma|la|ga, der; -s, -s: brauner Süßwein aus Málaga;
 
 
¹Má|la|ga [...]spanische Provinz;
 
 
²Má|la|ga: Hauptstadt von ¹Málaga;
 
 
Ma|la|gue|ña [...], die; -, -s [span. malagueña, zu: malagueño = aus Málaga]: südspanischer, dem Fandango ähnlicher Tanz, dessen ständig wiederholtes Thema Grundlage für eine meist improvisierte Melodie ist.
 
     

2.2. Geographische Besonderheiten

 
Auch Gattungsbezeichnungen für geographische Eigenheiten, wie sie bei der Übernahme spanischer Namen auch in deutschen Atlanten oder Büchern auftreten, finden Aufnahme:
 
     
 
Me|se|ta, die; -, ...ten [span. meseta, Vkl. von: mesa < lat. mensa = Tisch] (Geogr.): span. Bez. für Hochebene.
 
 
Si|er|ra [...], die; -, -s u. ...rren [span. sierra < lat. serra = Säge]: span. Bez. für Gebirgskette;
 
 
Ria, die; -, -s [span. ría, zu: río < lat. rivus = Fluss] (Geogr.): lang gestreckte Bucht, die durch Eindringen des Meeres in ein Flusstal u. dessen Nebentäler entstanden ist.
 
     

2.3. Spanische Graphien

 
Selbst spanische Schreibungen werden mitunter zusätzlich eingeführt:
 
     
 
Za|ra|go|za [...]span. Form von Saragossa;
 
 
Cuba: span. Form von Kuba;
 
     

2.4. Anreden

 
Männliche oder weibliche Vornamen sind nicht aufgenommen - was ja auch ins Uferlose führte, müssten doch im Prinzip Vornamen aller Sprachen aufgenommen werden. Doch eine Reihe spanischer Wörter, die Verbindungen mit Namen eingehen, haben, ohne jegliche Eindeutschung in der Form, Eingang gefunden in diesen Duden:
 
     
 
¹Don [a: span. don < lat. dominus = (Haus)herr; b: ital. don]: a) in Verbindung mit dem Vornamen gebrauchte spanische Bez. für Herr: D. Pedro; b) in Verbindung mit dem Vornamen gebrauchter Titel der Priester u. der Angehörigen bestimmter Adelsfamilien in Italien: D. Camillo.
 
 
Do|ña [...] [span. doña < lat. domina = Herrin]: in Verbindung mit dem Vornamen gebrauchte spanische Bez. für Frau: D. Elvira.
 
 
Se|ñor [...], der; -s, -es [span. señor < lat. senior, Senior] (in Spanien): 1. Bezeichnung u. Anrede eines Herrn. 2. Herr (3), Besitzer;
 
 
Se|ño|ra, die; -, -s [span. señora]: w. Form zu Señor;
 
 
Ca|bal|le|ro [...], der; -s, -s [span. caballero < spätlat. caballarius = Pferdeknecht]: 1. (früher) spanischer Edelmann, Ritter. 2. Herr (in der Anrede nicht in Verbindung mit einem Namen).
 
     
 
Wie erklärt sich die Aufnahme dieser Einheiten ins deutsch-deutsche Wörterbuch? Offensichtlich geht man davon aus, dass der Leser oder ‘Nachschlager’ mit diesen Wörtern in einem deutschsprachigen Ko(n)text in Berührung kommt, sie eventuell nicht als Einheiten der spanischen Sprache diagnostiziert und sie auf jeden Fall in genügend enge Verbindung mit dem Deutschen bringt, um sie in einem einsprachigen deutschen Wörterbuch verzeichnet zu vermuten. Das gilt für die genannten spanischen Begriffe, aber ebenso für z. B. Monsieur, Madame, Sir, Monsignore oder Monseigneur.
 
     
 
Der Grund ist offensichtlich: im schriftlichen Bereich werden Namen und ihre Zusätze z.B. in Übersetzungen gerne des kultuspezifischen Touches halber beibehalten; im mündlichen Bereich sind sie es, mit denen sich der Fremdsprachler im Kontakt mit der Fremdsprache häufig konfrontiert sieht, die er als erstes lernt, die er auch so weitgehend assimiliert, dass er sie als humoristische Anrede gerne in seinen eigenen - familiären - (deutschsprachigen) Diskurs übernimmt.
 
     
 
Festzuhalten bleibt, dass dabei die Zusätze “in Verbindung mit dem Vornamen” oder “nicht in Verbindung mit einem Namen” bereits über die Angaben hinausgehen, die zum passiven Verständnis dieser Einheiten vonnöten sind. Hier wird zudem der Schritt getan zur Verwendungsanleitung in einer - fremdsprachlich normgerechten - Produktion.
 
     
 
Bereits im Vorwort stellt sich das Universalwörterbuch ausdrücklich auch in den Dienst “der ausländischen Benutzer, insbesondere mit der ihm vorangestellten “Kurze(n)Grammatik der deutschen Sprache.” “Damit”, so heisst es im Vorwort, “bietet das Deutsche Universalwörterbuch dem Benutzer die Möglichkeit, deutschsprachige Texte nicht nur richtig zu verstehen, sondern auch Texte in deutscher Sprache grammatisch korrekt zu verfassen.” Dabei ist wohl nicht nur, aber insbesondere an den fremdsprachlichen Benutzer gedacht. Umgekehrt wird aber auch mitunter der Schritt vollzogen zu einer Angabe, wie man sie aus dem zweisprachigen Wörterbuch kennt, so etwa in der weiteren Bedeutungsangabe zu Señor:
 
     
 
Se|ñor [...], der; -s, -es [span. señor < lat. senior, Senior] (in Spanien): 1. Bezeichnung u. Anrede eines Herrn. 2. Herr (3), Besitzer
 
     

2.5. Titel

 
Auch Titel, insbesondere Adelstitel, die einerseits gerne mit dem (normalerweise unübersetzten) Eigennamen verschmelzen und die andererseits oft keine genaue Entsprechung im anderen Kulturkreis haben und also als unübersetzbar auch im nicht gleichsprachigen Text erhalten bleiben, finden sich aus eben diesem Grunde im Wörterbuch wieder; für das Spanische etwa
 
     
 
In|fant, der; -en, -en [span. infante, eigtl. = Kind, (Edel)knabe < lat. infans (Gen.: infantis) = kleines Kind]: 1. Titel spanischer u. portugiesischer Prinzen. 2. Träger dieses Titels;
 
 
Hi|dal|go, der; -s, -s [span. hidalgo, Zus. aus: hijo = Sohn u. algo = etwas, also eigtl. = Sohn von etwas, Sohn des Vermögens]: 1. Angehöriger des niederen spanischen Adels. 2. frühere mexikanische Goldmünze.
 
     
 
wie für das Französische z. B. Duc oder für das Englische Duke; man vergleiche auch:
 
     
 
¹Pad|re¹, der; -, ...dri [ital. padre < lat. pater, Pater]: [Ordens]priester in Italien;
 
 
²Pad|re¹, der; -, -s [span. padre < lat. pater, Pater]: [Ordens]priester in Spanien;
 
     
 
In geschlossenen Listen, wie die Hierarchien der Adels- oder Kirchentitel sie darstellen, könnte eine approximative Übersetzung fatale Folgen haben; andererseits sind sie auch schon durch die enge Verbindung mit dem Eigennamen vor der Übersetzung geschützt.
 
     

2.6. Währungseinheiten

 
Ähnliche geschlossene hierarchische Listen, die nur in sich ihren relativen und absoluten Wert bewahren können, stellen Währungseinheiten dar, die deshalb in der Regel unübersetzt oder höchstens oberflächlich eingedeutscht erscheinen:
 
     
 
²Quad|ru|pel, der; -s, - [span. cuádruplo; die Münze besaß den vierfachen Wert der Dublone]: frühere spanische Goldmünze;
 
 
Dub|lo|ne¹, die; -, -n [frz. doublon < span. doblón, zu: doble = doppelt < lat. duplus, doppelt]: alte spanische Goldmünze;
 
 
Pe|se|ta, NJA(auch:) Pe|se|te, die; -, ...ten [span. peseta, eigtl. = kleine Münze (mit einheitlich festgesetztem Gewicht), zu: peso < lat. pensum, Pensum]: 1. Währungseinheit in Spanien (1 Peseta = 100 Céntimos); Abk.: Pta 2. (salopp) Geld: dazu fehlen mir die Peseten;
 
 
²Pis|to|le, die; -, -n [vgl. frz., engl pistole, H. u.]: frühere, urspr. spanische Goldmünze;
 
 
²Re|al, der; -s, (span.:) -es u. (port.:) Reis [span., port. real, unter Einfluss von span. rey, port. rei = König zu lat. regalis = königlich, zu: rex, ¹Rex]: alte spanische u. portugiesische Münze.
 
     
 
Die Aufnahme derartiger Einheiten ins einsprachige Wörterbuch ergibt sich folgerichtig aus ihren besonderen Charakteristika; erwähnenswert bleibt jedoch das Streben nach Vollständigkeit und der großzügige historische Ausgriff.
 
     


3. KULTURSPEZIFISCHES

 
Doch auch andere kulturspezifische Eigenheiten werden in deutschsprachigen Texten mit anderem (d.h. nicht an die deutsche Sprache gebundenem) kulturellen Hintergrund gerne beim eigenen Namen genannt. Interessant ist dabei festzuhalten, welche Bereiche der spanischen Kultur so viel Interesse wecken, dass ihre ‘Terminologie’ im Original übernommen wird.
 
     

3.1. Stierkampf

 
Viel Vokabular findet sich zum Stierkampf - Beweis vielleicht für eine besondere Faszination für einen Gegenstand, den es im deutschen Kulturraum nicht gibt, der aber in ihn auch ohne den direkten Kontakt, über Literatur und Kunst etwa eindringt: Mindestens 11 Einträge mit entsprechendem ´Fachvokabular’ finden sich zum Thema ´Stierkampf’: “Stierkampf”; “Banderilla”; “Banderillero”; “Cachetero”; “Capa”; “Corrida [de toros]”; “Muleta”; “Matador”; “Picador”; “Toreador”; “Torero”.
 
     
 
Auch der Hahnenkampf wird mit Spanien in Verbindung gebracht:
 
     
 
Hah|nen|kampf, der: 1. (z. B. in Spanien, Mexiko veranstalteter) Wettkampf zwischen zwei abgerichteten [u. mit eisernen Sporen versehenen] Hähnen (1 a).
 
     

3.2. Kulinaria

 
Als kulinarische Genüsse finden Erwähnung:
 
     
 
Pa|el|la [...], die; -, -s [span. paella, eigtl. = Kasserolle < afrz. paële < lat. patella = Schüssel, Platte]: 1. spanisches Gericht aus Reis mit verschiedenen Fleisch- u. Fischsorten, Muscheln, Krebsen, Gemüsen u. Gewürzen. 2. zur Zubereitung der Paella (1) verwendete eiserne Pfanne.
 
 
Tor|til|la [...], die; -, -s [span. tortilla, Vkl. von: torta < spätlat. torta, Torte]: 1. (in Lateinamerika) aus Maismehl hergestelltes Fladenbrot. 2. (in Spanien) Omelett.
 
 
Gaz|pa|cho [...], der; -[s], -s [span. gazpacho] (Kochk.): a) kalt angerichtete spanische Gemüsesuppe; b) als Brotbelag verwendete Bröckchen eines in der Asche od. auf offenem Feuer gebackenen Eierkuchens.
 
 
Sang|ria¹, die; -, -s [span. sangría, eigtl. = Aderlass, zu: sangre = Blut]: einer Bowle ähnliches spanisches Getränk aus Rotwein mit [Zucker u.] klein geschnittenen Früchten.
 
     
 
Es fehlen Calamares und Ensaïmada, Horchata, Fuet, Sobrassada... - was dem Duden nicht zum Vorwurf gemacht werden soll. Im Gegenteil ist es erstaunlich und dankenswert, dass er so viele spanische Begriffe in ein Wörterbuch aufnimmt, das - wenn es sich auch universal will - natürlich nicht die Funktionen einer Enzyklopädie übernehmen kann.
 
     

3.3. Tänze

 
Spanien ist ein Land der Tänze, glaubt man der Fülle der Einträge im Duden: “Bolero”, “Malagueña”, “Jota”, “Habanera”, “Quadrille”; “Paso doble”, “Espagnole”... und der Musik im Allgemeinen.
 
     

3.4. Musik

 
Stellvertretend seien zum Beispiel erwähnt.
 
     
 
Te|no|ra, die; -, -s [span. tenora] (Musik): katalanische Schalmei in Tenorlage mit stark näselndem Klang;
 
 
In|tra|da, die; -, ...den, In|tra|de, die; -, -n [span. entrada, eigtl. = das Eintreten, zu lat. intrare = hineingehen, eintreten] (Musik): festliches, feierliches Eröffnungs- od. Einleitungsstück;
 
 
Cha|conne [...], die; -, -s od. -n [[...]; frz. chaconne < span. chacona, viell. lautm.], NNEIN(auch:) Ciacona [...], die; -, -s [ital. ciaccona]: 1. alter, aus Spanien stammender, mäßig bewegter Tanz im ³/4-Takt. 2. (Musik) Instrumentalstück im 3/4-Takt mit zugrunde liegendem achttaktigem Bassthema.
 
     

3.5. Vestimentäres

 
Auch hier findet Traditionelles seinen Niederschlag:
 
     
 
Man|til|le [...], die; -, -n [span. mantilla < lat. mantellum, Mantel]: um Kopf u. Schultern getragener Spitzenschleier [der traditionellen Festkleidung der Spanierin];
 
 
Bo|le|ro, der; -s, -s [span. bolero, H. u.]: 1. scharf rhythmisierter spanischer Tanz im Dreivierteltakt mit Kastagnettenbegleitung. 2. a) knapp geschnittenes, besticktes, offen getragenes Jäckchen der spanischen Nationaltracht; b) kurzes, offen getragenes Jäckchen mit [kurzen] Ärmeln bzw. ohne Ärmel. 3. zur spanischen Nationaltracht gehörender, rund aufgeschlagener Hut.
 
     
 
Wobei letzterer die Verzeichnung seiner dritten Bedeutung vielleicht auch der Tatsache verdankt, dass das Wort bereits in anderen Bedeutungen aufgenommen ist und auch als Gattungsbezeichnung fungiert.
 
     

3.6. Architektonisches

 
Es handelt sich wiederum um Benennungen für ‘fremde’ Realitäten - man beachte die Angabe “in Spanien”:
 
     
 
Pa|tio, der; -s, -s [span. patio < mlat. patuum, H. u.] (Archit.): (bes. in Spanien u. Lateinamerika) Innenhof eines Hauses, zu dem hin sich die Wohnräume öffnen.
 
 
Al|ka|zar [...], der; -s, -e [span. alcázar < arab. al-qasr = Burg]: Burg, Schloss, Palast in Spanien.
 
     
 
oder um übernommene Fachbegriffe mit spanischem Ursprung:
 
     
 
Kar|nies, das; -es, -e [span. cornisa < ital. cornice < lat. coronis < griech. koronís, Koronis] (Archit.): Leiste od. Gesims mit s-förmigem Querschnitt.
 
     

3.7. Literatur

 
Zur Literatur ist zunächst festzuhalten, dass das Spanische ganz selbstverständlich über eine solche verfügt , denn unter dem Eintrag “repräsentativ” dient sie als Beispiel:
 
     
 
re|prä|sen|ta|tiv [frz. représentatif]: 1. (bes. Politik) vom Prinzip der Repräsentation (1) bestimmt: eine -e Demokratie, Körperschaft; der Verband wird r. vertreten. 2. (bildungsspr.) a) als Einzelner, Einzelnes so typisch für etw., eine Gruppe o. Ä., dass es das Wesen, die spezifische Eigenart der gesamten Erscheinung, Richtung o. Ä. ausdrückt: er ist einer der -sten Romanciers der heutigen spanischen Literatur [...].
 
     
 
Einzelne übernommene Begriffe sind z.B. “Dezime”, “Romanzero”, “Maskarill”:
 
     
 
De|zi|me, die; -, -n [zu lat. decimus = der Zehnte]: 1. (Musik) a) zehnter Ton einer diatonischen Tonleiter; b) Intervall von zehn diatonischen Tonstufen. 2. (Dichtk.) aus zehn Zeilen bestehende [span.] Strophenform;
 
 
Ro|man|ze|ro, der; -s, -s [span. romancero] (Literaturw.): Sammlung von [spanischen] Romanzen (1);
 
 
Mas|ka|rill, der; -[s], -e [span. mascarilla, eigtl. = kleine Maske, Vkl. von: máscara, ¹Mascara] (Theater): typisierte Figur des als Marquis verkleideten Dieners im spanischen Lustspiel;
 
 
Gon|go|ris|mus, der; - [span. gongorismo, nach dem span. Dichter L. de Góngora y Argote (1561-1627)]: spanischer literarischer Stil des 17. Jh.s, der durch häufige Verwendung von Fremdwörtern, Nachbildungen der lateinischen Syntax, durch bewusst gesuchte u. überraschende Metaphern, rhetorische Figuren u. zahlreiche Anspielungen auf die antike Mythologie gekennzeichnet ist.
 
     
 
Und so bekannt, dass sie sogar zur Gattungsbezeichnung geworden sind, sind:
 
     
 
Don Ju|an [...], der; - -s, - -s [nach der gleichnamigen Sagengestalt in der spanischen Literatur]: Mann, der ständig auf neue Liebesabenteuer aus ist, immer neue erotische Beziehungen sucht; Verführer, Frauenheld: er war wirklich der Prototyp des D. -s.
 
 
Don Qui|chotte [...], der; - -s, - -s [frz. Schreibung von span. Don Quijote, Titelheld eines Romans von Cervantes]: lächerlich wirkender Schwärmer, dessen Tatendrang an den realen Gegebenheiten scheitert: er ist ein richtiger D. Q.
 
     
 
mitsamt:
 
     
 
Dul|zi|nea, die; -, ...een [nach Dulcinea del Toboso, der Angebeteten des Don Quichotte] (scherzh. abwertend): Geliebte.
 
 
Ro|si|nan|te, die; -, -n [nach dem Namen des Pferdes des Don Quichotte] (bildungsspr. scherzh. selten): nicht sehr edles, ausgemergeltes Pferd.
 
 
San|cho Pan|sa, [...] der; - -, - -s [nach dem Namen des Begleiters des Don Quichotte]: mit Mutterwitz ausgestatteter, realistisch denkender Mensch.
 
     
 
Bis auf den glimpflich weggekommenen Sancho Pansa sind diese Beschreibungen, ihren literarischen Vorlagen entsprechend, nicht übermäßig rühmlich, und die entsprechenden Benennungen werden oft scherzhaft benutzt.
 
     

4. ENTLEHNUNGEN

 
Auch andere spanische Wörter, die (mit oder ohne Bedeutungsveränderung) ins Deutsche übernommen werden, gehören häufig dem umgangssprachlichen Bereich an. Daran mag nicht unschuldig sein, dass viele Deutsche Spanien und das Spanische vor allem aus dem Urlaub kennen. Doch diese Tendenz ist bei Entlehnungen aus jedweder (mehr oder weniger zugänglichen) Sprache zu beobachten, weil es ein so einfaches und ökonomisches Verfahren ist, eine Verschiebung im Register im Vergleich zum neutralen Niveau durch ein switching im gesamten linguistischen Code anzuzeigen:
 
     
 
Pe|se|ta, NJA(auch:) Pe|se|te, die; -, ...ten [span. peseta, eigtl. = kleine Münze (mit einheitlich festgesetztem Gewicht), zu: peso < lat. pensum, Pensum]: 1. Währungseinheit in Spanien (1 Peseta = 100 Céntimos); Abk.: Pta 2. (salopp) Geld: dazu fehlen mir die Peseten;
 
 
¹Stin|ka|do|res [...], die; -, - [mit span. Endung scherzh. geb. zu stinken] (ugs. scherzh.): schlechte, die Luft verpestende Zigarre;
 
 
²Stin|ka|do|res, der; -, - (ugs. scherzh.): stark u. unangenehm riechender Käse;
 
 
Don|ja, die; -, -s [span. doña, Doña] (ugs., leicht abwertend, veraltend): a) Freundin, Geliebte: er ging mit seiner D. spazieren; b) (veraltet) Dienstmädchen;
 
     
 
Ungeliebtes oder Unakzeptables mit einem fremden Wort zu bezeichnen, um so zu tun, als wäre das betreffende Phänomen in der eigenen Kultur nicht bodenständig, ist ein gängiges Verfahren, das gerade Nachbarsprachen gerne aneinander oder miteinander praktizieren. Mit einer spanischen Anleihe hilft das Deutsche sich so aus bei
 
     
 
Ka|ma|ril|la [...], die; -, ...llen [span. camarilla = Privatkabinett des Königs, eigtl. = Kämmerchen]: Günstlingspartei, die ohne Befugnis od. Verantwortung unkontrollierbaren Einfluss auf einen Herrscher ausübt.
 
 
A|mi|go, der; -s, -s [span. amigo = Freund] (ugs.): Geschäftsmann als Freund und Gönner eines Politikers.
 
     
 
Ebenso erwähnt sind zwei spanisch benannte Errungenschaften einer mondial assimilierten Zivilisation:
 
     
 
Si|es|ta, die; -, ...sten u. -s [span. siesta < lat. (hora) sexta = die sechste (Stunde des Tages), zu: sextus, Sext]: Ruhepause, bes. nach dem Mittagessen; Mittagsruhe: eine kurze S. halten;
 
 
La O|la, die; - -, - -s [span. la ola = die Welle, die Woge]: (bei einer Sportveranstaltung in einem Stadion o. Ä.) durch abwechselndes Aufstehen u. Sichniedersetzen aus Begeisterung hervorgerufene Bewegung, die den Eindruck einer großen umlaufenden Welle entstehen lässt.
 
     
 
Deren Integration ist jedoch noch weniger weit fortgeschritten, denn ein explikativ-pleonastisches Kompositum ist ebenfalls aufgenommen und verweist auf “La Ola”, wo die ausführliche Erläuterung erscheint:
 
     
 
La-Ola-Wel|le, die: La Ola.
 
     
 
Ebenfalls Ausdruck von Klischeevorstellungen dürfte “Machismo” sein. Einerseits ist der Begriff so geläufig, dass “Männlichkeitswahn” durch “Machismo” erklärt wird:
 
     
 
Männ|lich|keits|wahn, der; -[e]s: Machismo.
 
     
 
Andererseits hat der hier abgebildete Sprachstand jeglichem Eindeutschungsversuch, und sei es nur in der Endung, getrotzt:
 
     
 
Ma|chis|mo [...], der; -[s] [span. machismo, zu: macho < lat. masculus = männlich] (bildungsspr.): übersteigertes Gefühl männlicher Überlegenheit u. Vitalität.
 
     


5. DAS SPANISCHE ALS MITTLERSPRACHE

 
Das Spanische erscheint so mitunter als Spendersprache für ein Lehnwort im Deutschen, aber wesentlich häufiger noch tritt es als Vermittlungsinstanz zu anderen Sprachen auf. Die sehr ausführlichen etymologischen Angaben des Duden sind auch ein Widerschein der geschichtlichen Bedeutung Spaniens als Brücke zu anderen Welten, insbesondere der arabischen und der durch die Seefahrer entdeckten neuen Welten.
 
     

5.1. Vermittlung von Elementen aus Indianersprachen oder afrikanischen Sprache

 
Viele Elemente aus Indianersprachen oder afrikanischen Sprachen sind über das Spanische (oder das Portugiesische) ins Deutsche gelangt. Als Beispiele der im Duden erwähnten seien genannt:
 
     
 
Ko|ka, die; -, - [span. coca < indian. (Ketschua) cuca, coca < indian. (Aimara) koka = ein Baum]: kurz für Kokastrauch;
 
 
Ka|zi|ke, der; -n, -n [span. cacique, aus dem Indian.]: 1. Häuptling bei den Indianern Süd- u. Mittelamerikas. 2. a) Titel eines indianischen Ortsvorstehers in Mexiko u. Guatemala; b) Träger dieses Titels;
 
 
Ku|ra|re, das; -[s] [span. curare < indian. (Tupi) urari, eigtl. auf wen es kommt, der fällt] (Med., Pharm.): zu [tödlichen] Lähmungen führendes indianisches Pfeilgift, das in niedrigen Dosen als Narkosemittel dient;
 
 
Pam|pa, die; -, -s [span. pampa < Quiché (mittelamerik. Indianerspr.) pampa = Ebene]: ebene, baumarme Grassteppe in Südamerika, bes. in Argentinien: die Tiere der P.; Ü er wohnt irgendwo in der P. (ugs., oft scherzh.; ganz weit außerhalb);
 
 
¹Bal|sa, die; -, -s [span. balsa = Floß, H. u.]: Floß aus Binsenbündeln bei den Indianern Südamerikas;
 
 
Ma|rim|ba, die; -, -s [span. marimba, aus einer afrik. Sprache] (Musik): (bes. in Guatemala) dem Xylophon ähnliches Musikinstrument aus auf einem Rahmen ruhenden Holzplättchen mit darunter liegenden einzelnen Resonanzkörpern.
 
     
 
Häufig geht es bei diesen Bezeichnungen um Begriffe aus der Musik, der Pflanzen- oder Tierwelt des entsprechenden Sprachraums, die häufig als Realität und als Sprachmaterial und Wissenselement durch die Entdecker- und Seefahrernation Spanien nach Europa kamen. Ebenso erklärt es sich, dass Ausdrücke der Kaufmanns- und Seemannssprache wie “Kasko”, “Kargadeur”, “Kargador”aus dem Spanischen stammen.
 
     

5.2. Vermittlung von Elementen aus dem Arabischen

 
Aus dem Arabischen hat das Spanische zum Beispiel vermittelt:
 
     
 
Al|che|mie, die; - [frz. alchimie < span. alquimia < arab. [...] = Kunst des Legierens]: mittelalterliche, mystisch u. symbolisch verbrämte Chemie;
 
 
Be|zo|ar, der; -s, -e [span. bezoar < arab. (maghrebinisch) bezahr, aus dem Pers., eigtl. = Gegengift]: (in der Volksmedizin gebrauchter) Magenstein von Wiederkäuern;
 
 
E|le|mi, das; -s [span. elimí < arab. [...]: in Medizin u. Technik verwendetes Harz einer bestimmten Gruppe tropischer Bäume;
 
 
Ga|ze, [...] die; -, -n [frz. gaze < span. gasa, wohl < arab. qazz = Rohseide]: lockeres, gitterartiges, oft appretiertes Gewebe aus Baumwolle, Seide o. Ä., das in der Technik als Siebbespannung, in der Medizin als Verbandsmaterial od. stark appretiert als Stickereigrundlage verwendet wird: ein Vorhang, ein Fliegennetz aus G.; etw. mit G. bespannen.
 
     
 
Und immer wieder stößt man auf Einträge wie “Conga”, die daran erinnern, dass das Spanische auch außerhalb der iberischen Halbinsel als Landessprache dient:
 
     
 
Con|ga, die; -, -s, [span. conga, zu: congo = vom ¹Kongo stammender schwarzer Sklave]: 1. kubanischer Volkstanz im 4/4-Takt. 2. große Handtrommel in der Musik der kubanischen Schwarzen, die auch im modernen Jazz verwendet wird; ²Tumba.
 
     

6. SPANISCHE GESCHICHTE IM WÖRTERBUCH

 
Zunächst ist festzuhalten, dass Spanien ein Land mit Geschichte ist:
 
     
 
Do|ku|men|ta|ti|on, die; -, -en: 1. a) Zusammenstellung, Ordnung u. Nutzbarmachung von Dokumenten u. [Sprach]materialien jeder Art (z. B. Urkunden, Akten, Zeitschriftenaufsätze zur Information über den neuesten Erfahrungsstand): eine D. vornehmen; b) das Zusammengestellte (in Bezug auf Dokumente o. Ä.): eine umfassende D. [des letzten Jahrhunderts spanischer Geschichte] liegt vor.
 
     
 
Sowohl die ausgewählten Begriffe als auch deren Erklärung bzw. Definition werfen manches Schlaglicht auf die spanische Geschichte. Insgesamt ergibt dies ein sehr löcheriges Bild, in dem einige Themenkreise mit betonter Häufigkeit auftreten.
 
     
 
Erwähnung finden so
 
     

6.1. Die Habsburger Herrschaft in Spanien, den Niederlanden und Deutschland

 
¹Rei|ter, der; -s, - [...]: 1. a) jmd., der reitet: ein tollkühner R.; die R. sammeln sich zum Ausritt; *die apokalyptischen R. (apokalyptisch (1)); b) (früher) berittener Soldat, Kavallerist. 2. a) (österr.) Heureiter; b) *spanischer R. (Milit.; mit Stacheldraht bespanntes [Holz]gestell, das als Sperre, Hindernis aufgestellt wird; H. u.; viell. im 16. Jh. zur Zeit des niederl. Aufstandes gegen Spanien entstanden [...];
 
 
Geu|se, der; -n, -n [niederl. geus < frz. gueux = Bettler]: niederländischer Freiheitskämpfer gegen Spanien im 16. Jh;
 
 
spa|nisch : zu Spanien, Spanier: -e Literatur; *jmdm. s. vorkommen (ugs.; jmdm. seltsam vorkommen; wohl aus der Regierungszeit des spanischen Königs u. deutschen Kaisers Karl V., als den Deutschen die neue spanische Kultur fremdartig erschien);
 
     

6.2. Die Eroberungen Spaniens

 
Az|te|ken|reich, das: Reich der Azteken in Mexiko vor der span. Eroberung.
 
 
Kon|quis|ta|dor, der; -en, -en [span. conquistador = Eroberer, zu: conquistar = erobern < lat. conquirere (2. Part.: conquisitum) = zusammensuchen, einsammeln]: Teilnehmer an der spanischen Eroberung Süd- u. Mittelamerikas im 16. Jh;
 
 
Kre|o|le, der; -n, -n [frz. créole < span. criollo, zu: criar = nähren, erziehen < lat. creare = erzeugen]: 1. Nachkomme weißer romanischer Einwanderer (in Süd- u. Mittelamerika): weißer K. 2. Nachkomme von schwarzen Sklaven (in Brasilien): schwarzer K.;;
 
 
La|di|no, der; -s, -s [amerik.-span. ladino, eigtl. = spanisch Sprechender < lat. Latinus = lateinisch]: Mischling von Weißen u. Indianern in Mexiko u. Mittelamerika.
 
     

6.3. Der Konflikt zwischen Christen und Juden

 
Spa|ni|o|le, der; -n, -n: Nachkomme der 1492 aus Spanien vertriebenen Juden;
 
     

6.4. Der Kontakt bzw. Konflikt zwischen Arabern und Spaniern

 
moz|ara|bisch [span. mozárabe < arab. musta`rib = zum Araber geworden]: die vom 8. bis zum 15. Jh. unter arabischer Herrschaft lebenden spanischen Christen, ihre Kunst, Kultur u. Sprache betreffend;.
 
 
Mau|res|ke, Moreske, die; -, -n [frz. mauresque < span. morisco = maurisch] (bild. Kunst): Flächenornament (der islamischen Kunst) aus schematischen Linien u. stilisierten Pflanzen;
 
 
Mo|ris|ke, der; -n, -n [span. morisco = (getaufter) Maure]: nach der arabischen Herrschaft in Spanien zurückgebliebener Maure, der [nach außen hin] Christ war.
 
     

6.5. Die Inquisition

 
In|qui|si|ti|on, die; -, -en [lat. inquisitio = (gerichtliche) Untersuchung]: 1. (vom 12. bis 18. Jh, bes. während der Gegenreformation) als Einrichtung der katholischen Kirche wirkendes, mit großer Härte u. grausamen Untersuchungsmethoden gegen Abtrünnige, Ketzer vorgehendes ¹Gericht (1 a): jahrhundertelang hat die I. Ketzer verfolgt, verurteilt, verbrannt. 2. Untersuchung der Inquisition (1): die grausamen -en in Spanien; Ü sich einer I. (einem strengen Verhör) unterwerfen müssen;
 
 
Groß|in|qui|si|tor, der: oberster Richter der spanischen Inquisition;
 
     
 
Zum grausligen Thema passt auch:
 
     
 
Gar|rot|te, Garotte, die; -, -n [span. garrote] (früher): Halseisen, Würgschraube zur Vollstreckung der Todesstrafe (in Spanien).
 
     

7. ZUM BEISPIEL: SPANISCHES

 
Wenn man den Gebrauch eines Wortes durch Beispiele illustrieren will, so wählt man die Beispiele möglichst ‘typisch’ und selbstverständlich: sie müssen prototypisch sein, um nicht die Aufmerksamkeit auf sich selbst zu ziehen, sondern im Gegenteil durch ihre Unauffälligkeit, als Mitbestandteil einer gesetzten Situation, zur Wiedererkennung des zu illustrierenden Elements beitragen können.
 
     
 
Dass Spanien in Beispielen herangezogen wird, zeigt, wie selbstverständlich es zum Lebenskreis der Autoren und Leser des Duden gehört:
 
     
 
Gren|ze, die; -, -n [mhd. greniz(e), aus dem Westslaw., vgl. poln. granica]: 1. a) (durch entsprechende Markierungen gekennzeichneter) Geländestreifen, der politische Gebilde (Länder, Staaten) voneinander trennt: die G. zwischen Spanien und Frankreich;
 
 
Sei|te, die; -, -n [...] c) Teil eines Gebiets, das dies- od. jenseits einer Grenze o. Ä. liegt: die spanische S. der Pyrenäen.
 
     
 
Und eine ganz besondere, touristische Nähe, die Vertrautheit mit Spanien als einem Ferienland sprechen bei den banalsten und auch unerwartesten Gelegenheiten aus der Mikrostruktur des Duden:
 
     
 
wie [mhd. wie, ahd. (h)wio]: I. 1. a) auf welche Art u. Weise, auf welchem Wege, mit welchen Mitteln?: ... b) durch welche Merkmale, Eigenschaften gekennzeichnet?: w. war das Wetter?; w. ist dein neuer Chef?; w. war es in Spanien? [...]
 
 
kur|ven [...] : 1. a) in Kurven fahren, fliegen: der Radfahrer kurvte um die Ecke; b) (ugs.) [ziellos] umherfahren: im Urlaub sind sie durch ganz Spanien gekurvt.[...]
 
 
Kon|su|lat, das; -[e]s, -e [1: lat. consulatus = Konsulamt, -würde]: 1. Amt[szeit] eines Konsuls (1). 2. Dienststelle eines Konsuls (2): die deutschen -e in Spanien; [... ].
 
     
 
Absolut verwurzelt im deutschen Leben scheint so der spanische Wein:
 
     
 
Fla|sche, die; -, -n [1: mhd. vlasche, ahd. flaska, eigtl. = umflochtenes Gefäß; 2: auf die Vorstellung der leeren Flasche zurückgehend]: 1. [verschließbares] Gefäß aus Glas, Metall od. Kunststoff mit enger Öffnung u. Halsansatz zum Aufbewahren von Flüssigkeiten [od. Gasen]: eine schlanke, bauchige F. aus Glas, Plastik; eine F. Bier; eine F. spanischer Wein/(geh.:) spanischen Wein[e]s; [...];
 
 
Li|ter [...], der (schweiz. nur so), auch: das; -s, - [frz. litre < mfrz. litron (ein Hohlmaß) < mlat. litra < griech. lítra = Pfund]: Hohlmaß von einem Kubikdezimeter: zwei L. Milch; ein L. spanischer Rotwein/(geh.:) spanischen Rotweins; [...];
 
 
Bo|de|ga, die; -, -s [span. bodega < lat. apotheca, Apotheke]: a) span. Bez. für Weinkeller; b) span. Bez. für Weinlokal.
 
     
 
Um so weniger können die Bezeichnungen für Produkte fehlen, die auch im deutschen Sprachraum feilgeboten werden, wie
 
     
 
Tar|ra|go|na, der; -s, -s [nach der gleichnamigen span. Stadt]: dunkler Süßwein aus Tarragona.
 
 
Man|za|nil|la [...], der; -s [span. manzanilla, eigtl. = Kamille, nach der Ähnlichkeit der Knospen des Weinstocks mit denen der Kamille]: trockener, leichter südspanischer Weißwein.
 
 
Je|rez [...], der; - [nach der südspan. Stadt Jerez de la Frontera]: seltener für Sherry;
 
 
Sher|ry [...], der; -s, -s [engl. sherry < span. jerez, nach dem Namen der span. Stadt Jerez de la Frontera]: spanischer Likörwein.
 
     

7.1. ...zum Thema Sprache

 
Auch mit der spanischen Sprache und Literatur scheint jetzt eine Auseinandersetzung stattzufinden oder zumindest zu beginnen:
 
     
 
Ü|ber|set|zung, die; -, -en: 1. a) das Übersetzen: die Ü. des Textes [aus dem/vom Spanischen ins Deutsche] bereitet Schwierigkeiten;
 
 
¹ü|ber|tra|gen : 1. a) als Übertragung (1) senden: das Fußballspiel [live, direkt] aus dem Stadion ü.; das Konzert wird von allen Sendern übertragen; b) überspielen (2). 2. a) (geh.) einen [literarischen] Text schriftlich so übersetzen, dass er auch in der Übersetzung eine gültige sprachliche Gestalt hat: der Roman wurde vom/aus dem Spanischen ins Deutsche übertragen;
 
 
Ü|ber|set|zungs|ar|beit, die: Arbeit, bei der man etw. übersetzt: -en aus dem Spanischen übernehmen;
 
     
 
Doch oft künden die Beispiele von Dilettantismus und einem erst anfänglichen Bemühen; man vergleiche die Einträge
 
     
 
hin|set|zen : 1. a) an, auf eine bestimmte Stelle, einen bestimmten Platz setzen; b) nieder-, absetzen: den Koffer h. 2. a) sich an, auf eine bestimmte Stelle, auf einen bestimmten Platz, bes. auf einen Sitzplatz setzen: setz dich hin!;R sich h. und ... (eine geistige Arbeit in Angriff nehmen): sich h. und [Spanisch] lernen; [...];
 
 
auf|le|sen : 1. a) (verstreut Umherliegendes) mit der Hand aufsammeln: Fallobst, Scherben a.; die heruntergefallenen Glasperlen wieder a.; b) (ugs.) (zufällig Gefundenes) [aufheben u.] mitnehmen: seine Hosentaschen waren voll von Dingen, die er irgendwo aufgelesen hatte; Ü er hatte ein paar spanische Redensarten aufgelesen, die er überall anbrachte; [...].
 
     
 
Das passt zu dem Eindruck von Spanien als Ferienland. Dessen Sprache kann man inzwischen zwar in immer mehr Schulen lernen,und es spricht für deren Verbreitung, dass z. B. ein Interdental erklärt wird am Beispiel des span. céntimo:
 
     
 
In|ter|den|tal, der; -s, -e (Sprachw.): stimmloser od. stimmhafter interdentaler (2) Reibelaut; Zwischenzahnlaut (z. B. c in span. céntimo).
 
     
 
Aber die spanische Sprache hat in Deutschland noch nicht den gleichen institutionalisierten Stand wie das Französische, das in aller Regel als 2. Fremdsprache angeboten wird und den Unterschied zwischen Hauptschule und weiterführender Schule ausmacht. Das könnte ein Grund dafür sein, dass das Spanische, das so viele als Touristen kennenlernen, in gängigen Vorstellungswelten möglicherweise nicht denselben formellen, perfektionierten und reglementierten Charakter besitzt wie das Französische, Sprache der Rationalisten und Aufklärer. Diese letztere ist vertreten mit Beispielen wie
 
     
 
sau|ber [mhd. suber, ahd. subar, über das Vlat. < lat. sobrius = nüchtern, besonnen; urspr. = sittlich rein]: ... 7. fehlerlos, einwandfrei, nicht zu beanstanden u. daher gut: die -e Kür der Turnerin; eine -e französische Aussprache; (...)
 
 
e|le|gant [frz. élégant < lat. elegans = wählerisch, geschmackvoll, Nebenf. von: eligens, 1. Part. von: eligere (exlegere) = auswählen]: a) (von der äußeren Erscheinung) durch Vornehmheit, .... kultiviert, erlesen: er spricht ein -es Französisch; ein -er Wein;
 
 
ge|läu|fig [verstärkend für mhd. löufec = üblich]: 1. durch häufigen Gebrauch allgemein bekannt, vertraut, üblich: -e Redensarten, Ausdrücke; diese Bezeichnung ist mir nicht g. 2. fließend, perfekt: in -em Französisch; [...];
 
 
Leh|rer, der; -s, - [mhd. lerære, ahd. lerari]: 1. a) jmd., der an einer Schule unterrichtet (Berufsbez.): ein guter, erfahrener L.; unser neuer L.; er ist L. für Französisch, an einem Gymnasium;
 
 
Lek|ti|on, die; -, -en [kirchenlat. lectio = Lesung aus der Bibel < lat. lectio = das Lesen, Vorlesen, zu: legere = auflesen, sammeln; auswählen; lesen]: 1. a) (Päd.) Übungseinheit, Unterrichtspensum, Pensum einer Unterrichtsstunde, Kapitel in einem [fremdsprachlichen] Lehr- u. Übungsbuch: die zehnte L. eines Lehrbuchs durchnehmen; seine L. [in Französisch] lernen, gut können;
 
 
ler|nen [mhd. lernen, ahd. lernen, lernon]: 1. a) sich [in bestimmter Weise]Wissen, Kenntnisse aneignen: gerne, leicht, schwer l.; bis in die Nacht hinein l.; man kann nie genug l.; Mutter lernt mit ihm (ugs.; hilft ihm beim Lernen u. Üben); b) sich, seinem Gedächtnis einprägen: eine Sprache, Französisch, ein Gedicht, Vokabeln l; [...];
 
 
pau|ken [...]1. (ugs.) a) (bes. vor einer Prüfung o. Ä.) sich einen bestimmten Wissensstoff durch intensives, häufig mechanisches Lernen od. Auswendiglernen anzueignen suchen: Vokabeln, den Prüfungsstoff, Französisch p.; b) intensiv lernen: für das Examen, vor der Prüfung [die ganze Nacht] p.
 
 
trei|ben [mhd. : Bier, Lindenblütentee treibt. 10. a) sich mit etw., was man zu erlernen o. Ä. sucht, kontinuierlich befassen: Französisch, Philosophie t. [...];
 
 
un|voll|kom|men [...] : 1. mit Schwächen, Fehlern od. Mängeln behaftet: der Mensch ist u.; ich spreche Französisch nur u. 2. unvollständig: eine -e Darstellung;
 
 
ver|voll|komm|nen : a) etw. vollkommener, perfekter machen: eine Technik, ein Verfahren v. (perfektionieren); er bemüht sich, seine Sprachkenntnisse zu v.; b) sich verbessern; vollkommener, besser werden: die Methode hat sich mit der Zeit vervollkommnet; er hat sich in Französisch vervollkommnet;
 
 
Gram|ma|tik, die; -, -en [lat. (ars) grammatica < griech. grammatike (téchne), zu: grammatikós = die Buchstaben, die Schrift betreffend]: 1. Teil der Sprachwissenschaft, der sich mit den sprachlichen Formen u. deren Funktion im Satz, mit den Gesetzmäßigkeiten, dem Bau einer Sprache beschäftigt; Sprachlehre (gegliedert in Phonetik, Morphologie u. bes. Syntax): die historische, generative G.; die G. der deutschen Sprache, die deutsche G. ... Beschaffenheit) einer Formulierung; Ü die G. (bildungsspr.; gesetzmäßige Struktur u. Verlaufsform) meteorologischer Phänomene. 2. wissenschaftliche Darstellung, Lehrbuch der Grammatik (1); Sprachlehre: eine französische G.; eine G. der chinesischen Sprache [...];
 
     
 
Ohne übertreiben zu wollen, scheint es doch bemerkenswert, tendenziös sozusagen, dass so viele Beispiele in dieselbe Richtung weisen. Falls diese Orientiertheit wirklich besteht, ist dem Duden allerdings zugute zu halten, dass das Französische in der Tat auf eine wesentlich längere Tradition als Konferenzsprache z. B. und als Fach im deutschen Schulwesen zurückblicken kann als das Spanische.
 
     
 
Nun sind diese nationalen Zuordnungen häufig beliebig gewählt: ein Nationalitätenadjektiv steht stellvertretend für alle, als Variable zur Kennzeichnung einer häufigen Kollokation. Diese Beliebigkeit, die Stellvertreterfunktion für ein ganzes Paradigma wird auch gerne dadurch angezeigt, dass gleich mehrere Nationalitätenadjektive aneinandergereiht werden - ohne dass daraus ein Informationszugewinn erwüchse, es sei denn der implizite Hinweis, dass hier auf das ganze Paradigma verwiesen sein soll:
 
     
 
Li|te|ra|tur, die; -, -en [lat. litteratura = Buchstabenschrift; Sprachkunst]: 1. a) [gesamtes] Schrifttum, veröffentlichte [gedruckte] Schriften: (...). 2. künstlerisches Schrifttum; Belletristik: die zeitgenössische [deutsche, französische] L.
 
 
Na|ti|on, die; -, -en [frz. nation < lat. natio = das Geborenwerden; Geschlecht; Volk(sstamm), zu: natum, Natur]: a) große, meist geschlossen siedelnde Gemeinschaft von Menschen mit gleicher Abstammung, Geschichte, Sprache, Kultur, die ein politisches Staatswesen bilden: die deutsche, französische, englische N.; eine geteilte N.; b) Staat[swesen]: [...].
 
     
 
In diesem Sinne mögen der eingangs erwähnte Verweis auf die spanischen Provinzen und auch der Hinweis auf die spanische Polizei im Eintrag “Polizei” zufällig sein:
 
     
 
Po|li|zei, die; -, -en [...]: 1. staatliche od. kommunale Institution, die [mit Zwangsgewalt] für öffentliche Sicherheit u. Ordnung sorgt: die hessische, spanische P.; politische P. (Polizei, deren Aufgabenbereich politische Strafsachen sind; Geheimpolizei); Beamte der -en aller Bundesländer; sich der P. stellen; bei der P. (Polizist) sein; [...].
 
     
 
Andererseits kommt hier manchmal zum Ausdruck, was nur als Widerschein von Stereotypen interpretiert werden kann; z. B.
 
     
 
Gran|dez|za, die; - [ital. grandezza < span. grandeza, zu: grande, Grande]: (bes. von Männern) hoheitsvoll-würdevolle Eleganz der Bewegung, des Auftretens: er verneigte sich mit [spanischer] G.; er trat mit der G. eines Weltmannes auf;
 
     
 
Bei einer spanisch-italienischen Etymologie des Wortes ist das Beispiel der spanischen Grandezza nur prototypisch zu verstehen. Und als Phrasem kann “stolz wie ein Spanier” nur auf einer kollektiven Vorstellung beruhen:
 
     
 
stolz [mhd. stolz = prächtig; hochgemut, spätahd. stolz = hochmütig, urspr. wohl = steif aufgerichtet]: 1. a) von Selbstbewusstsein u. Freude über einen Besitz, eine [eigene] Leistung erfüllt; ein entsprechendes Gefühl zum Ausdruck bringend od. hervorrufend: der -e Vater; eine -e Frau; mit -er Freude; das war der -este Augenblick seines Lebens; auf einen Erfolg, auf seine Kinder s. sein; sie ist s., dass sie ihr Ziel erreicht hat; s. wie ein Pfau/wie ein Spanier (in sehr aufrechter Haltung, selbstsicher u. hochgestimmt) ging er an uns vorbei.
 
     

8. ETYMOLOGISCHE ANGABEN

 
Aus den etymologischen Angaben erfahren wir, wie bereits erwähnt, einiges über die Berührungspunkte zwischen dem Spanischen und anderen Sprachen und manch Episodisches. Für letzteres seien als Beispiele die Einträge zu “Kartoffel” und “Jakob” erwähnt:
 
     
 
Kar|tof|fel, die; -, -n [dissimiliert aus älterem Tartuffel, Tartüffel < älter ital. tartufo, tartufolo, eigtl. = Trüffel < spätlat. terrae tuber = Trüffel, Erdknolle; das Wort wurde zur Bez. für die (zuerst von den Spaniern aus Amerika nach Europa gebrachte) Kartoffel durch eine Verwechslung ihrer Wurzelknollen mit den unterirdisch wachsenden knollenartigen Fruchtkörpern der Trüffel]: [...]
 
 
Ja|kob: in den Wendungen das ist [auch nicht] der wahre J. (ugs.; das ist jetzt [auch nicht gerade] das Richtige; wahrsch. zurückgehend auf den Apostel Jakobus d. Ä., der der Legende nach in Santiago in Spanien begraben liegt, aber von Pilgern oft anderswo an falschen Gräbern gesucht wurde)
 
     

9. DIE TEXTWELT IM ÜBERBLICK

 
Um einen abschliebenden Blick auf diese Textwelt zu werfen:
 
     
 
Man kann dem Duden bestätigen, dass er sein im Vorwort gegebenes Versprechen hält: er bietet “ausführliche(n) Bedeutungsangaben und zahlreiche(n) Anwendungsbeispiele(n), enthält aber auch eine Fülle von Angaben zur Aussprache, Grammatik und Herkunft der Wörter”, ebenso wie zahlreiche Begriffe, die über den Gemeinwortschatz hinausgehen. In diesem Punkte wird eine Vorliebe für bestimmte Themenkreise deutlich - wobei nachzuprüfen bliebe, ob dieselben Themen auch im Hinblick auf andere Kulturbereiche und Spendersprachen so reichhaltig vertreten sind, oder ob das Spanische hier eine Sonderstellung einnimmt. Zu nennen sind hier insbesondere Tanz, Musik, Literatur. Bemerkenswert ist auch der starke Einbezug der historischen Dimension, von Benennungen für inzwischen nicht mehr existierende Dinge. Die meisten dieser Beobachtungen treffen ürigens auch zu auf das Spanienbild, das sich in Le Dictionnaire Robert abzeichnet: auch hier sind stark vertretene Bereiche die Literatur, die Musik, der Stierkampf, die Institutionen, die Kleidung (cf. Naro / Oliver 1999: 236ff.).
 
     
 
Mehrere Erklärungen sind möglich: vielleicht betrachten Wörterbücher dies als obligate Kulturbereiche, die zu berücksichtigen sie sich zu einer besonderen Pflicht machen. Nachzuprüfen bliebe auch, ob für andere als den spanischen Kulturbereich - bei Duden und in anderen Wörterbüchern - die gleichen Prioritäten existieren. Zwei Hypothesen sind vorstellbar: dass man in diesen Bereichen die besonderen spanischen Beiträge zur Weltkultur ansiedelt, aber auch, dass diese Themenkreise generell und nicht auf ursprünglich Spanisches begrenzt einem ‘Sammelinteresse’ der verantwortlichen Redaktionen entsprechen.
 
     
 
Es ist kaum anzunehmen, dass eine Wörterbuchredaktion bewusst ein bestimmtes Bild eines Landes schaffen möchte. Ebenso wie kaum ein Leser ein ganzes Wörterbuch im Hinblick auf nur einen Aspekt lesen wird, ist beim kollektiv verfassten Wörterbuch möglicherweise keinem individuellen Redakteur die Gesamtheit der Bezugnahmen bewusst. Der Zufall der Sprachkartei mag für vieles verantwortlich sein. Viele Aspekte, die in diesem Mosaik von Spanienimpressionen hervorstechen - Judenverfolgung und Grandezza, Stierkampf und Inquisition - sind regelrechte Spanien-Topoi, die auch in der Literatur häufig behandelt werden und auf diesem Weg ins Nachschlagewerk gelangt sein können.
 
     
 
Der Duden bemüht sich nach eigener Aussage um ständige Aktualisierung und um die Angleichung des beschriebenen Sprachzustands an die Realität.
 
     
 
Jede Neuauflage folgt dem technischen und wissenschaftlichen Fortschritt, der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung und registriert das entsprechende Vokabular. Der DUDEN ist damit nicht nur ein Spiegel unserer Sprachgeschichte, sondern auch unserer Geschichte schlechthin. [...] Die wesentliche Grundlage für die Arbeit der Dudenredaktion ist allerdings keine digitale Datenbank, sondern ein fünfzehn Meter langer, gut zwei Meter hoher Karteikasten. Diese Sprachkartei, in der sich inzwischen über drei Millionen Karteikarten befinden, ist so angelegt, dass sie eine authentische Dokumentation der sich ständig wandelnden deutschen Gegenwartssprache ermöglicht: Sogenannte Exzerptoren sind als freie Mitarbeiter der Dudenredaktion damit beschäftigt, neue Wörter und Wortbedeutungen aufzuspüren. Sie durchforsten dabei nicht nur die schöngeistige Literatur, sondern sammeln Belege aus dem gesamten deutschen Schrifttum. Zeitschriften, Zeitungen, Versandhaus­kataloge, Prospekte, Gebrauchsanweisungen, Wetter- und Sportberichte, selbst Kochrezepte werden ausgewertet (Duden online: Die Redaktion, 02.06.2000).
 
     
 
Man darf dem Duden also getrost glauben, dass er - bewusst - nur Abbild des jeweiligen Sprachzustands sein will und also nur Klischees weitergibt, die existieren, von denen sich auch die Redakteure selbst nicht gänzlich befreien können, deren sie vielleicht nicht einmal gewärtig werden. Gleichzeitig perpetuiert der Duden solche Vorstellungen - bis sich Gegenteiliges in der Kartei spiegelt - und gibt Vorstellungen von Spanien (oder anderem) vielleicht erste Existenz und Autorität im geistigen Universum des unwissenden oder unsicheren Nachschlagers, der bei Duden das Wort und auch die benannte Welt hinter dem Wort sucht.
 
     

 

BIBLIOGRAFISCHE ANGABEN:

 
Duden Deutsches Universalwörterbuch A-Z [CD-ROM]. 3., neu bearbeitete Auflage. Mannheim: Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus A. G. 1996. (PC Bibliothek).
 
     
 
Dudenverlag, Redaktion des WörterbuchsDuden online [online]: Mannheim: Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus A. G. , 2. Juni 2000 [konsultiert am 18.06.2000]
 
     
 
Naro, Guilhem, und María Oliver, “Français et Espagnols face à face dans leurs dictionnaires de langue”. In: VII Coloquios APFFUE (Asociación de Profesores de Filología Francesa de la Universidad Española) - Relaciones culturales entre España y otros países de lengua francesa, 11-13 de febrero de 1998. Cádiz.. Cádiz: Universidad, Servicio de Publicaciones, 1999. Vol. 1, pp. 235-244 (=Naro/Oliver 1999).
 
     

ANMERKUNGEN:

1:
Alle Zitate aus dem Wörterbuch erfolgen nach Duden Deutsches Universalwörterbuch A-Z [CD-ROM]. 3., neu bearbeitete Auflage. Mannheim: Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus A. G. , 1996. (PC Bibliothek).
 


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